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Prof. Dr. M. Knorz im Interview: Mit Kunstlinsen zum Adlerblick?

November  2019

1,07 Millionen Menschen in Deutschland gelten als sehbehindert. Gutes Sehen ist für viele ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden. Die moderne Augenheilkunde bietet heute eine Vielzahl korrigierender Verfahren. Mit Hilfe moderner Intraokularlinsen (IOL), wie der multifokalen beziehungsweise der trifokalen IOL, können Patienten exzellente Ergebnisse erreichen und den Alltag weitgehend ohne Sehhilfe bewältigen.

Prof. Michael Knorz, Leiter des FreeVis LASIK Zentrum Universitätsklinikum Mannheim, beantwortete für "gesund leben" folgende Fragen:

Wann kommt die Multifokallinse zum Einsatz und was ist ihr Ziel?
Professor Knorz: Die implantierbaren Mehrstärkenlinsen, die sogenannten multifokalen bzw. trifokalen Kunstlinsen, dienen dem gleichzeitigen Ausgleich der Alterssichtigkeit und der Kurz- oder Weitsichtigkeit. Die Multifokallinse wurde entwickelt, um sowohl den grauen Star als auch eine Fehlsichtigkeit zu behandeln und damit Patienten zu helfen, in allen Entfernungen ohne Brille gut sehen zu können. Multifokallinsen werden bei uns im FreeVis LASIK Zentrum Universitätsklinikum Mannheim seit Jahren routinemäßig operiert. Ab welchem Alter ist das für die Patienten interessant? Professor Knorz: Ab 50 aufwärts haben fast alle von uns die Fähigkeit, ohne Brille lesen zu können, verloren. Dies ist eine Folge der Alterssichtigkeit. Unsere Patienten können mit Hilfe der multifokalen Kunstlinsen sehen, und zwar ohne von einer Brille abhängig zu sein.

Wie funktioniert eine multifokale Intraokularlinse?
Professor Knorz: Die natürliche Augenlinse wird entfernt und an ihrer Stelle wird ein klares, faltbares Implantat aus Kunststoff, die Kunstlinse, eingesetzt. Anstelle einer einfachen Intraokularlinse wird eine aus mehreren Ringen mit unterschiedlicher Brechkraft aufgebaute multifokale Kunstlinse in das Auge eingepflanzt. Diese Linsen weisen mehrere Brennpunkte auf, daher der Begriff „multifokal“. Durch die Verteilung des einfallenden Lichtes auf diese Brennpunkte ermöglicht die multifokale Linse ein scharfes Sehen in allen Entfernungen. Im FreeVis LASIK Zentrum Universitätsklinikum Mannheim kommen verschiedene Modelle zum Einsatz, unter anderem trifokale Linsen und die Symfony-IOL. (Weitere Informationen hier)

Was ist der Unterschied zur Trifokallinse?
Professor Knorz: Der Begriff „Multifokallinse“ wird meist synonym mit Trifokallinse verwendet. Die Bezeichnung „trifokal“ ist genauer, da eine Trifokallinse über drei Brennpunkte verfügt und so eine optimale Sicht im Nah-, Zwischen- und Fernbereich ermöglicht. Es gibt auch Bifokallinsen, also Linsen mit zwei Brennpunkten, mit denen nur im mittleren Bereich (z.B. Computer) und in die Ferne ohne Brille gesehen scharf werden kann. In diesen Fällen benötigt der Patient zum längeren Lesen oder Naharbeiten eine Lesebrille.

Wie sicher ist das Verfahren?
Professor Knorz: Der Austausch der Augenlinse gegen eine multifokale Kunstlinse basiert auf erprobten Techniken, die seit Jahrzehnten bei der Behandlung des Grauen Stars angewendet werden. Wir verwenden heute einen modernen Femtosekundenlaser, der viele Operationsschritte, die der Operateur früher von Hand ausgeführt hat, deutlich präziser ausführt. Mit seinen präzisen Laserschnitten bietet dieser Laser gegenüber der manuellen Technik den Vorteil, dass die Kunstlinse exakter positioniert werden kann. Der ambulante Eingriff dauert 10 bis 15 Minuten. In der Regel werden beide Augen mit einem Abstand von ein bis zwei Tagen operiert.

Sehen Sie im Bereich der Kunstlinsen in den kommenden Jahren weiteres Entwicklungspotential?
Professor Knorz: Die refraktive Chirurgie kann mittels Laser und Linsen durchaus das Sehen „perfektionieren“. Bei den minimal-invasiven Methoden sind wir in den vergangenen Jahren deutlich präziser geworden, siehe z.B. den Einsatz des Femtosekundenlasers, und die multifokalen Linsen werden sich zukünftig dahingehend verbessern, dass störende optische Nebenerscheinungen immer weiter minimiert werden können. Mit der Vielfalt der Behandlungsmethoden können wir immer feiner und individueller auf die Bedürfnisse des Patienten eingehen. Das sehe ich als große Errungenschaft.

Quelle: Beilage des Mannheimer Morgen „gesund leben“, 23. 9. 2019



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